Panoramafotografie
20 04 2007Eine Semesteraufgabe im Kurs digitale Bildbearbeitung war für mich Anlass, mein Wissen zur Panoramafotografie aufs digitale Papier zu bannen. In diesem Artikel gehe ich auf Kameraeinstellungen, das Stativ samt Stativkopf und das Stitchen ein.
Kameraeinstellungen
Bei den Einstellungen der Kamera ist auf jegliche Automatik zu verzichten. Automatiken haben die schöne Eigenschaft, jedes Einzelbild individuell zu belichten, so dass jedes Bild optimal erscheint. Schatten werden aufgehellt und helle Stellen abgedunkelt. Dieses ist bei der Panoramafotografie jedoch hinderlich, da die Stimmung und Situation des Gesamtbildes hierdurch verloren geht. Daher sind reine Automatikkameras für Panoramen ungeeignet.
Der beste Weg ist komplett manuelle Einstellung der Kamera, dies erfordert jedoch das passende Werkzeug - einen Belichtungsmesser - und ein gewisses Maß an Übung und Erfahrung. Da ich dies hier nicht voraussetzen möchte erkläre ich an dieser Stelle, wie stattdessen die Automatiken von Kameras ausgenutzt werden können. Empfehlenswert ist die Verwendung eines Weitwinkelobjektiv oder eines Normalobjektivs (Brennweite 50mm bei Kleinbild), wobei beim Weitwinkel darauf zu achten ist, dass es nicht zu fehlerhaften Verzerrungen am Bildrand kommt. Dies ist meist bei billigeren Zoomobjektiven im Weitwinkelbereich der Fall. Tritt ein solcher Fehler auf sollte die Brennweite besser etwas größer gewählt werden. Die Brennweite darf während der Aufnahmen nicht verändert werden, daher empfiehlt sich natürlich ein Objektiv mit Festbrennweite, zumal diese auch meist Lichtstärker sind und dadurch kürzere Belichtungszeiten ermöglichen. Hier ist es auch möglich per Adapter alte M42-Objektive an modernen Kameras zu verwenden, ausschlaggebend für dieses Vorgehen ist der unschlagbar günstige Preis dieser Objektive.
Nach der Festlegung der Brennweite müssen nun Blende und Belichtungszeit eingestellt werden. Zunächst die Blende, da sich daraus dann die Belichtungszeit ergibt. Die Blende hat auch entscheidenden Einfluß auf das Aussehen und die Wirkung des Bildes, eine große Blende (kleine Blendenzahl) verursacht eine geringere Schärfentiefe, das heisst, nur ein kleiner Teil des Bildes ist komplett scharf. Dieser Effekt ist besonders gewünscht, wenn dem Bild eine hohe räumliche Tiefe verliehen werden soll. Eine kleine Blende (große Blendenzahl) erlaubt ein durchgehend scharfes Bild. Aufgrund dieses Effektes darf die Blende während der Aufnahmen nicht verändert werden, da dies die Gesamtwirkung des Panoramas zerstören würde. In Abhängigkeit von der Blende muss nun eine einheitliche Belichtungszeit gewählt werden. Die Ermittlung kann im halbautomatischen Modus der Kamera erfolgen, indem man mit der Kamera einen Bereich auswählt, der eine für den Gesamtbereich des Panoramas Helligkeit hat, also weder Sonnenbeschienen noch schattig ist. Der von der Kamera ermittelte Wert für die Belichtung muss nun zusammen mit der gewählten Blende im manuellen Modus der Kamera eingestellt werden, damit diese Werte für alle Einzelbilder gleich sind. Damit wären die Einstellungen abgeschlossen. Eine digitale Kamera sollte, wenn möglich, noch auf das Aufnahmeformat RAW eingestellt werden, um eine optimale Bildqualität zu erreichen. Des weiteren sollten die Aufnahmen mit Hilfe eines Fernauslösers gemacht werden, um ein Verwackeln durch das Auslösen zu verhindern. Wenn dei kamera über eine Spiegelvorauslösung verfügt sollte diese auch genutzt werden, da das Hochklappen des Spiegels besonders bei sehr kurzen Belichtungszeiten zu Verwacklungen führen kann.
Stativ
Eine sehr wichtige Sache für Panoramaaufnahmen ist das passende Stativ. Es sollte in sich stabil sein und über ein ausreichendes Eigengewicht verfügen, um Verwacklungen durch leichte Windstöße zu vermeiden. Viele Stative erlauben es hierfür, zusätzliche Gewichte zur Beschwerung anzubringen, was die Gesamtstabilität erhöht. Auch sollte das Stativ an der Drehachse über eine gradeinteilung verfügen, um gleichmäßige Schritte zwischen den Einzelbildern zu erreichen. Der Stativkopf sollte über eine sehr feste Verbindung zur Kamera verfügen. Dies alles dient nur einem Zweck: Es darf nichts wackeln!
Nodalpunktadapter
Nun zum schwersten Punkt der Panoramafotografie. Dem "Nodalpunkt" und dem richtigen Umgang mit ihm. Zur Erklärung, um welchen Effekt es sich handelt zunächst ein kleiner Versuch.
Man schliesse ein Auge und halte beide Zeigefinger leicht seitlich versetzt und mit unterschiedlichem Abstand zum Auge hoch. Dreht man nun den Kopf gerade nach rechts und links, so bekommt man das Gefühl, die Finger bewegen sich aufeinander zu oder voneinander weg, ohne dass sie sich jedoch wirklich bewegen. Dieser Effekt, der Parallaxefehler rührt daher, dass die Drehachse des Kopfes hinter dem Schnittpunkt der optischen Achse mit der Linse des Auges liegt. Dadurch kommt es zu Verschiebungen beim Blickwinkel und zum "Wandern" von Objekten. Bei einer kamera ist es genauso wie beim Auge, der - fälschlicherweise - so genannte Nodalpunkt des Objektivs liegt vor dem Drehpunkt des Stativs. Daher wird ein spezieller Stativkopf benötigt, der die Kamera so weit nach hinten versetzt, dass der Nodalpunkt des Objektivs genau über dem Drehpunkt des Stativs liegt. Einen solchen Stativkopf nennt man Nodaladapter, Panoramaadapter oder Panoramakopf. Wie weit die Kamera nach hinten verschoben werden muss ist in seltenen Fällen für Kamera-Objektiv-Kombinationen angegeben, darauf sollte man jedoch nicht hoffen. Der einfachste Weg dies sauber hinzubekommen ist die Try-and-Error-Methode. Der Effekt, der bei fehlender Übereinstimmung der Punkte auftritt ist ja bekannt. Diesen nutzt man aus, indem man eine Person oder einen ausreichend Großen Gegenstand zwischen Kamera und Hintergrund postiert und die Kamera so lange justiert, bis beim Schwenken kein "Wandern" mehr auftritt. dann ist die Einstellung korrekt.
Doch nun noch ein paar Worte, warum man sich überhaupt diese Mühe macht. Beachtet man diesen Fehler bei der Aufnahme nicht, so entstehen Bilder, bei denen Bildelemente unterschiedliche Abstände zueinander haben. Liegen diese Bildelemente in der Überlappungszone, gibt es keine genauen Übereinstimmungen und einzelne Bildtteile können nun als schwebende Gegenstände in der Luft stehen. Es entstehen so genannte Geisterbilder. Diese nachträglich in der Retusche zu korrigieren kann durchaus mehr Arbeit machen als eine vorherige asubere Einstellung.
Stitchen
Das Stitchen ist das zusammenfügen der einzelnen Bilder zu einem durchgehenden Panoramabild. Es ist durchaus möglich, dies manuell über eine Bildbearbeitungssoftware zu erledigen, einfacher ist jedoch der Weg über eines der zahlreichen Programme hierfür. Die Vorgehensweise bei diesen Programmen ist fast immer nahezu identisch. Zunächst werden die Einzelbilder in das Programm geladen und in die richtige Reihenfolge gebracht. Die meisten Programme bieten ab diesem Zeitpunkt schon eine erste Automatisierung. Es wird nach Übereinstimmungen in den Bildern gesucht um sie passgenau überlappen zu lassen. In der Regel lässt sich dies noch korrigieren. Sind die Bilder genau zusammen gefügt erfolgt eine Angleichung von Farbwerten und Belichtung in den Übergangsbereichen, um sichtbare Schnittstellen zu verhindern. Wurden bei der Aufnahme alle wichtigen Punkte beachtet ist das Panorama nun fertig und kann für die weitere Nachbearbeitung abgespeichert werden. Konnten bei der Aufnahme nicht alle Fehler vermieden werden, was mangels Panoramakopf sehr oft vorkommt erlauben es einige der Programme nun noch manuell Einfluss auf wichtige Faktoren zu nehmen, um ein einheitliches Bild zu erhalten. Die sogenannten Geisterbilder lassen sich jedoch nur in der Nachbearbeitung entfernen.
Software
PanoTools (kostenlos)
PTGui (Kommerziell f. Windows + Mac OSX)
Hugin (kostenlos)
autostitch (momentan kostenlos)
PTOpenGUI (freie Software)
The Panorama Factory (Shareware)
PanoramaStudio (Shareware)
PanaVue (Kommerziell)
RealViz Stitcher (Kommerziell)
PTMac (Shareware)
Iseemedia Photovista (Kommerziell)
DoubleTake for OS X (Shareware)
Links
Workshop bei digitalkamera.de
Links und technische Hinweise zur analogen Panoramafotografie
Tipps und Tricks zur Panoramafotografie
Rund um Panoramafotografie, von freihand bis Multi-Row
Selbstgebauter Panoramakopf
Trackbacks : Keine Trackbacks »


Trackbacks
Keine Trackbacks