In meiner Master-Thesis habe ich mich intensiv mit dem Buchgenre Bildband auseinandergesetzt. Einzelne Aspekte dieser Arbeit werde ich nach und nach hier, nach einer mediengerechten Aufbereitung und Überarbeitung versteht sich, veröffentlichen. Den Anfang macht das Ende, mein Fazit aus fünf Monaten Beschäftigung mit dem Genre.
Das Genre des Bildbands erscheint bei genauerer Betrachtung das ungeliebte Stiefkind in der Familie der Buchgattungen zu sein. Bildbände sind weder Prosa noch Lyrik, weder Belletristik noch Sachbuch und oftmals bieten sie kaum Lesestoff. Und dennoch ist der Bildband mit allen diesen Gattungen verwandt, denn neben seinem hauptsächlichen Inhalt, dem Bild, führt er oft auch Teile anderer Gattungen mit sich. Reisebildbände sind oft mit Informationen gespickt und künstlerische Fotografien werden im Bildband gerne mit Lyrik vereint. Der Bildband als Buchgenre kann also viele Gesichter haben, dennoch wird er im Buchhandel nur als untergeordnet geführt, als Teil der Reiseliteratur. Diese Zuordnung wird dem Genre in keinster Weise gerecht.
Neben der inhaltlichen Vielfalt hat der Bildband noch eine weitere Eigenschaft, die über den englischen Namen für dieses Genre, „Coffee-Table Book“, deutlich zu Tage tritt. Er ist nicht nur Buch, er ist auch dekoratives Element bis hin zum Einrichtungsgegenstand. Der Bildband ist nicht nur ein Buch, das, einmal gelesen, im Regal verschwindet. Er wird immer wieder gerne hervorgeholt und betrachtet, ob zur Information, zum Schwelgen in Erinnerungen an den letzten Urlaub oder einfach nur zur Erholung im Lesesessel. Und diese Nische, das dekorative Buch und Entspannungsobjekt wird jene sein, die dem Bildband das Überleben in Zukunft sichern wird. Während die klassische Literatur immer mehr durch digitale Publikationsformen in Bedrängnis gerät, wird sich dieser besondere Charakter des Bildbands kaum digital ersetzen lassen. Reine Texte lassen sich auch von digitalen Readern lesen, das Aufschlagen eines großformatigen Bandes jedoch lässt sich mit diesen Geräten nicht nachbilden. Der Bildband wird sich also nicht ersetzen lassen, sein Markt wird zwar auch kleiner, aber solange bei einem Werk auch Gefühle und Emotionen durch Haptik erzeugt werden können, ist eine Existenzgrundlage des Bildbands gesichert.
Dennoch ist auch die Zukunft des Bildbands nicht frei von digitalen Einflüssen. Die digitale Publikation bietet insbesondere im Bereich der Informationen einen besonderen Mehrwert, die Aktualität. Hier liegt der Schwachpunkt des Bildbands, er kann inhaltlich veralten, wenn er über einen eigenen Informationsgehalt verfügt. Diese Gefahr besteht besonders bei Reisebildbänden. Während die Bilder, als Momentaufnahmen, und auch die Haptik des Buches nicht an Aktualität und Attraktivität verlieren, können Informationen veralten und sogar fehlerhaft werden. Hier gilt es nun für die Zukunft, einen gesunden Weg zur Verknüpfung beider Welten, der digitalen und der analogen, zu finden, ohne dabei eines der beiden Medien zu schädigen. Die technischen Möglichkeiten bestehen bereits oder sind in der Entwicklung, sie müssen nur noch wirtschaftlich tragbar und inhaltlich sinnvoll mit dem Medium Bildband zu einer neuen Werkgattung verschmolzen werden.