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Der Atlantikwall

Der Atlantikwall

31 08 2009

Der Atlantikwall war eine 2685 Kilometer lange Linie von befestigten Stellungen entlang der Küsten des Atlantiks, Ärmelkanals und der Nordsee. Sie wurden im Zweiten Weltkrieg von den deutschen Besatzern in den Ländern Frankreich, Belgien, Niederlande, Dänemark, Norwegen den britischen Kanalinseln sowie dem Deutschen Reich im Zeitraum 1942 bis 1944 geplant und teilweise erbaut. Der Atlantikwall sollte diese Gebiete vor einer britischen Invasion schützen.

Bereits im Dezember 1941 forderte Hitler einen „Gürtel von Bollwerken“ an der 5000 Kilometer langen Atlantikküste. Nach der missglückten Landung kanadischer Truppen bei Dieppe am 18./19. August 1942 befahl Hitler am 25. August 1942 die Befestigung der gesamten Atlantikküste zu einem „Atlantikwall“. Für ein solch großes Bauwerk fehlte es dem 3. Reich aber z. T. an Personal und an Material. Die Leitung der Arbeiten wurde von der Organisation Todt übernommen. Von September 1942 bis Juni 1944 wurde täglich an den Befestigungsbauten am Atlantikwall gearbeitet.

Karte des Atlantikwalls 1944
Karte des Atlantikwalls 1944

Nach dem Tod von Fritz Todt trieb ab November 1943 Generalfeldmarschall Rommel die Arbeiten am „Atlantikwall“ voran. Seiner Meinung nach existierte ein solcher „Wall“ bisher gar nicht, sondern die Küste war bisher lediglich punktuell befestigt. Rommel war entsetzt, denn die Hitler-Propaganda über den „Atlantikwall“ erwies sich als totaler Bluff. Nichts war fertig. Auch von Rundstedt, der Oberbefehlshaber West, äußerte diese Ansicht: „ein riesiger Bluff“.

In der folgenden Zeit banden Rommels Planungen große Teile der Ressourcen an Mensch und Material des Reichs für den „Atlantikwall“. Sehr große Mengen Stahl und Beton gingen aus dem ganzen Gebiet, das unter nationalsozialistischer Herrschaft stand, an die Baustellen des „Atlantikwalls“. Bedingt durch den ständigen Stahlmangel wurde schon bei der Konzeption auf größere drehbare stählerne Panzertürme verzichtet; nur Splitterschutzhauben wurden bei größeren Anlagen eingebaut. Die Geschützstellungen wurden meist im Stil von Tunnelbatterien oder Kasematten aufgebaut und glichen daher eher verbunkerten Unterständen. Durch den Aufbau der Geschützstellungen wurde das Schussfeld der Geschütze sehr eingeschränkt. Stellenweise wurden daher die Geschütztürme älterer Panzer, z. B. erbeuteter französischer Renault FT-17, in die Linien integriert. Um an Rohstoffe zu gelangen, wurden Teile der Maginot-Linie und alte deutsche Grenzbefestigungen demontiert, eingeschmolzen und am „Atlantikwall“ verwendet.

Rommel erkannte bald die sehr geringe Verteidigungstiefe des Atlantikwalls, daher ließ er die Strände und die Brandungszonen verbarrikadieren. In großer Zahl wurden Hindernisse errichtet; diese bestanden aus mehreren Reihen Tschechenigeln, Hemmbalken, von denen viele an den Spitzen mit Minen oder Sprenggranaten bestückt waren, und Stacheldrahtverhauen. In großem Maßstab wurden das Küstengebiet, die Uferzonen und die Zwischenräume zwischen den einzelnen Widerstandsnestern vermint. Vielerorts kamen auch die bekannten Rommelspargel zum Einsatz, diese aus Masten und dazwischen gespanntem Draht gebildeten Hindernisse sollten auf freiem Feld Luftlandeoperationen vermeiden oder zumindest deutlich erschweren. Systeme aus Gräben, Wassergräben, Brandfallen, Panzermauern und Panzersperren ergänzten die Befestigungen. Zur Sicherheit wurden küstennahe Gebäude enteignet und stellenweise in die Verteidigungsanlagen integriert. Küstenstädte wie Vlissingen wurden meist mit mehreren Widerstandsnestern und/oder Festungen umgeben; in den Städten selbst gab es an verschiedenen Stellen Verteidigungspunkte. Auch wurden bestehende Verteidigungsanlagen umgebaut und ergänzt. Zur Tarnung wurden die Bunker je nach örtlichen Gegebenheiten mit Tarnnetzen behängt, mit Tarnanstrichen oder Tarnverputz versehen, als „normale“ Gebäude getarnt oder direkt in Felsen oder ähnliches integriert.

Insgesamt wurden für den Atlantikwall 8119 Bunker gebaut, aus Effizienzgründen wurden von den verschiedenen Waffengattungen Standard- bzw. Regelbauten entwickelt, die meisten Gebäude entstanden nach diesen Plänen. Die einzelnen Waffengattungen Heer, Luftwaffe und Marine hatten jeweils eigene größtenteils genormte Ein/Ausrüstungsgegenstände. Die Waffengattung bedingte häufig die Bewaffnung der einzelnen Anlagen, so wurde das Würzburg-Radar von der Luftwaffe betrieben, die besonders schweren Geschützbatterien und die Seezielbatterien oft von der Marine. Die einzelnen Regelbauten wurden als Module, in Schutzzweck und der Topographie angepasster Anordnung, errichtet. So standen z. B. die Seezielbatterien nahe dem Strand, die Feuerleitstellen erhöht und die Munitions- und Mannschaftsanlagen weiter nach hinten gerückt. Verbunden waren die einzelnen Module entweder durch mehr oder weniger befestigte Schützengräben und teilweise durch gedeckte Wege oder Hohlgänge. Ein großer Nachteil des Atlantikwalls war vor allem die geringe Verteidigungstiefe, sie betrug vielerorts nur einige hundert Meter. Wenn der Angreifer die erste Linie durchbrochen hatte, folgten im direkten Hinterland nur noch leichte Selbstverteidigungsanlagen der Infrastrukturgebäude, weitere Linien waren nicht fest vorgesehen. Einen Aufbau aus vielen untereinander vernetzen Linien wie bei der Maginotlinie gab es nicht. In der Folge war nach einem gelungenen Durchbruch im Strandbereich ein tiefes Eindringen in das Hinterland möglich.

Quellen:

 


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